Die Fortsetzung der Ums Ganze-Geschichte braucht noch etwas länger, als vorher gedacht. Dazwischen zu etwas fast völlig anderem: Ich hatte schon länger vor, einmal in der gebotenen Kürze auf den Leserbrief, den es in der Jungle World zu meinem Artikel zu den bisherigen Versuchen Studiengebühren zu boykottieren gab. Das ist zwar schon Wochen her, aber das macht leider nichts. Der besseren Lesbarkeit halber, verlinke ich nicht, sondern gebe den Brief vorneweg zur Gänze wieder und gehe dann auf ihn ein:
Jungle World 40/07: Boykott boykottiert
Repolitisierung der Unis ist gefordert
Zuzustimmen ist Falk zunächst bei seiner Feststellung, dass die Initiativen zum Boykott der Studiengebühren durch Überweisung auf ein Treuhandkonto an allen größeren Hochschulen gescheitert sind. Falsch bzw. äußerst einseitig ist unserer Erfahrung nach jedoch die Darstellung der damit zusammenhängenden Diskussion innerhalb studentischer Zusammenhänge. Dass zu Beginn der Boykottinitiativen tatsächlich eine euphorische Stimmung vorherrschte, möchten wir gar nicht bestreiten. Dies ist jedoch auch nicht anders zu erwarten, wenn überwiegend neue und jüngere Leute zu einem bestimmten Thema aktiv werden. In der politischen Arbeit der Boykottgruppen entwickelte sich jedoch mit der Zeit eine realistischere Einschätzung der Situation. Der Boykott war ein Versuch, in einem kritischen Sinne handlungsfähig zu bleiben/werden, auch nachdem die Studiengebühren von den jeweiligen Landesregierungen zum Faktum gemacht worden waren. Dass illusionäre Hoffnungen à la »Einmal-boykottieren-und-das-Problem-ist-vom-Tisch« nicht geschürt werden dürften, sondern der Boykott lediglich als ein Ansatz unter anderen zur Repolitisierung der Universitäten gesehen werden sollte, war eine mühsam in Diskussionen und der alltäglichen Erfahrung mit den Reaktionen der übrigen Studierendenschaft entwickelte Position. Dass der Boykott so gut wie allerortens scheiterte, liegt daran – wie Falk zutreffend feststellt –, dass die Mehrheit der Studierenden den Gebühren etwas Positives abgewinnen kann und bereitwillig zahlt. Dass dies aber auch damit zusammenhängt, dass sich die Studienbedingungen durch Zurückfahren der staatlichen Finanzierung in den letzten Jahren kontinuierlich verschlechtert haben, findet der Autor nicht erwähnenswert. Wer sich nach dem Scheitern der Boykottversuche ernüchtert zurückzieht, hat eine Chance verpasst, klüger zu werden. Wo Studierende jedoch nach neuen Formen des Protests und der Organisierung suchen, lohnt es sich für (studierende) Linke allemal am Ball zu bleiben.
basta
Der da basta sagt, hat die im Artikel versuchte Kritik verstanden als einen Angriff auf die Menschen, die den Boykott organisierten. In seiner Verteidigung nimmt er sie aber gegen Vorwürfe in Schutz, die gar nicht vorgetragen wurden.
1. Es ist keine gute Entgegnung auf eine Kritik, die angeprochenen Fehler von Personen mit dem Verweis auf ihre Konstitution (hier: sie waren jung und unerfahren) erklären und damit entschulden zu wollen. Das „neue und jüngere Leute zu einem bestimmten Thema aktiv werden“ war kein Gegenstand der Kritik und sollte es auch nicht sein. Von Interesse sollte lediglich sein, welche Gedanken sie sich vor und während des Prostests machen. Meinetwegen können sie euphorisch an die Sache rangehen, wovon ich mittlerweile allerdings abraten würde, aber auch das ist völlig egal; zumindest, wenn es um die Frage, ob sie sinnvoll protestieren oder ob sie dabei Fehler begehen, geht. Wenn letzteres der Fall ist, sollte ihnen das schleunigst mitgeteilt werden, ganz gleich, wie jung, alt oder neu sie zu dem Zeitpunkt sind.
Dass von dem studentischen Protest seit Jahren die selben Inhalte und Aktionsformen zu erwarten sind, sollte auch nicht dagegen sprechen, sie in Frage zu stellen.
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