Die IG Metall und die Krise

Bei der online Jungle World noch „coming soon“, hier schon als preview ein Kommentar zur Metall-Tarfirunde 2008:

Die IG Metall und die Krise

Kampflos glücklich

In der Metall-Tarifrunde in diesem Herbst nimmt die Gewerkschaftsführung ihre Verantwortung für den Standort Deutschland wahr und lebt die neue Tugend der Flexibilität vor. So wird das Bemühen der Wirtschaft, möglichst viel Schaden in der Finanzkrise von sich abzuwenden, von deutschen Gewerkschaften tatkräftig unterstützt. Angesichts der Bedrohung der realwirtschaftlichen Tarifpartner konnte der IG Metall-Vorsitzende Berthold Huber am 12. November ein „ordentliches Ergebnis in historisch schwieriger Lage“ verkünden.

Unter diese Lage dürfen aber offenkundig die Lohnabhängigen leiden. Die bescheidenen 4,2 Prozent Lohnerhörung werden erst nach frühestens vier Monaten und in zwei Staffelungen erreicht. Frühestens, denn die „zweite Anhebung kann durch eine freiwillige Betriebsvereinbarung bis zu sieben Monate verschoben werden“.

Vor den Verhandlungen verkündete Martin Kannegiesser, der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall: „Es geht nicht um hohe Löhne, es geht nicht um niedrige Löhne, es geht um der Situation angemessene Löhne.“ Angemessen ist so aber tatsächlich nur, was den stets ungebremsten Gewinninteressen der Unternehmen nicht entgegensteht, deswegen können Löhne nie niedrig genug ausfallen. Mit einer Laufzeit von 18 Monaten haben die Arbeitgeber dieses Mal besonders viel Zeit, um von der Arbeit der Beschäftigten zu profitieren.
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“Feel the difference” – Antifakonferenz zum Anti-Islam-Kongress in Köln III

Ich war jung und … na gut so lange ist es noch nicht her, aber hier der Vollständigkeit halber sämtliche Aufzeichnungen der Konferenz. Zum Workshop „Feindbild Islam“ der Direktlink
Etwas anstrengend: Der Referent ist schwerer zu verstehen als die Teinehmer aus dem Saal.

“Feel the difference” – Antifakonferenz zum Anti-Islam-Kongress in Köln II

Sehr mäßig besucht, entspannte sich bei meinem Vortrag/ Workshop schnell eine Diskussion um die Notwendigkeit den Islam zu kritisieren. Also weg von der Gliederung und rein in die Debatte, die vor allem mit Klaus Blees geführt wurde. Das kann wer will sich dann auch später anhören, denn alle Veranstaltungen der Konferenz wurden von den Veranstaltern aufgenommen. So auch das Abschlusspodium, zu dem ich mich noch ausführlicher äußere, wenn die Aufnahme da ist. In der Kürze: (mehr…)

„Feel the difference“ – Antifakonferenz zum Anti-Islam-Kongress in Köln

Zurück aus dem off, neues Thema: Im September findet in Köln ein Kongress gegen „Islamisierung“ statt. So weit, so normal, wären die Veranstalter nicht jenseits, das heißt rechts des demokratischen Spektrums zu verorten. Verschiedene Gegenaktivitäten werden organisiert, u.a. soll eine Kundgeung blockiert werden.

Der Antifa AK Köln stellt eine Konferenz auf die Beine, die Anfang September stattfindet und bei der sich alles um den Unterschied linker/linksradikaler Islam- und Religionskritik zu bürgerlicher wie rechtsradikaler Anti-Islam-Propaganda dreht. Wenn ich das richtig verstanden habe, doch dazu später.

Am Sonntag werde ich im Rahmen dessen über „Feindbildpflege: Das Thema Islam in der bürgerlichen Öffentlichkeit“ referieren.

Hier schon mal der Ankündigungstext:

Die offizielle Gegnerschaft Deutschlands zu islamischen Staaten und Terrororganisationen ist amtlich beschlossene Sache. Die ihr zu Grunde liegenden weltweit gültig gemachten Interessen des Westens an Benutzung und Kontrolle anderer Staaten und Völker erfordern daher keine öffentlich erörterte kritische Überprüfung, an deren Ende Gefolgschaft oder Ablehnung stände. Vom mündigen Bürger wird Einverständnis sowie bedingungslose Unterstützung erwartet und eingefordert.
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Ums Ganze III – Einführungsreferat Nadja Rakowitz

Der Ums Ganze-Kongress: Die Einführungsreferate

Eins vorweg: Ich habe etwas gehadert, wie ich fortfahre, da die Aufnahmen der Veranstaltungen über Keimform schon sehr schnell für alle Interessierten zur Verfügung standen. Vorteil: Jeder kann sich ein Urteil bilden und sich anschließend an der Diskussion beteiligen, wie es ja auch schon auf verschiedenen blogs passiert. „Nachteil“: Bei entsprechendem Anspruch mehr Aufwand für mich. Nun gut, ran an den Speck. Generell: Alles, was vielleicht unter den Tisch fällt oder auf Widerspruch stößt, kann in den Kommentaren diskutiert werden. Ich werde nicht den jeweiligen kompletten Inhalt wiedergeben, wo es sich empfiehlt auf schon vorhandene Kritiken zu verweisen, werde ich das tun und nicht das Rad neu erfinden.

Ich selbst konnte am Freitag nicht vor Ort zuhören, wegen des stummen Zwangs der Verhältnisse, ihr wißt schon. Das habe ich nachgeholt, und ich muss leider all denen zustimmen, die allen drei Einführungen einen negatives Zeugnis ausstellten. Von einer Einführung würde ich erwarten, dass sie ein paar gundlegende Begriffe der vorgestellten Theorie erklärt. Das fand entweder kaum oder auf sehr „esoterischem“ Niveau“ statt

1.: Nadja Rakowitz: Einführung in die Kritik der Politischen Ökonomie

Um es vorweg zunehmen: Die Referentin betreibt einen Etikettenschwindel. Schon ihre Ankündigung im Kongressreader zeugt von etwas anderem als dem, was im Titel angekündigt wird. Was Rakowitz betreibt ist eher eine Art Karl Marx-Philologie: Wann hat er welches Buch geschrieben, auf wen hat er sich bezogen, wen kritisiert er, was sind die philosophischen und politischen Diskussionen an denen er ich beteiligt oder gegen die er anschreibt. In über der Hälfte der Zeit werden so lauter Fragen beantwortet, die sich in jeder besseren Marx-Biographie nachlesen lassen, aber mit dem Titel der Veranstaltung recht wenig zu tun haben. Statt die vermeintlichen „Vorraussetzungen der Kritik der Politischen Ökonomie“ zu erläutern, hätte sie tatsächlich die kurze Zeit für eine Einführung nutzen sollen.
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Interessante Neuerscheinung II

In der neuen Ausgabe seines Periodikums kündigt der GegenStandpunkt Verlag eine CD-ROM mit dem kompletten Textarchiv der Zeitschrift bis zur Nummer 4-2006 an.

Das Archiv dokumentiert alle Hefte von 1-1992 bis 4-2006 mit vollständigem Text im HTML-Format zusammen mit Inhaltsverzeichnissen, bibliographischen Angaben, Schlagworten und komfortablen Suchfunktionen.

ISBN 978-3-929211-12-2

Preis: 40,- €

Die CD-ROM ist voraussichtlich ab 10. Januar 2008 lieferbar. Bestellungen über den Buchhandel oder direkt beim Verlag.

Find ich sehr haptisch sowas, nicht unbedingt für’s Lesen, aber beim Suchen und Zitieren doch sehr arbeitssparend.

… und das Übel erfasste die Welt

Jaja, das Übel. Leider stören sich viele Menschen nicht nur an den falschen Dingen, sie benennen für die Schlimmerhaftigkeiten auf dieser Welt auch oft die falschen Ursachen. Im folgenden nur mal so ein Beispiel. Der Artikel ist der aktuellen Jungle World entnommen, anbei ein paar Ergänzungen, die ich für notwendig hielt. Das ist ansonsten alles sehr zitatenreich, um das Weltbild eines religiösen Nationalisten aufzuzeigen. Das halte ich übrigens noch nicht für die Kritik einer solchen Ideologie, aber hey, es ist die Antifa-Seite.

Dieser Beitrag ist der Aktualität des wöchentlichen Erscheinens geschuldet. Eine Fortsetzung meiner „Ums Ganze“-Abhandlung kündige ich hiermit wagemutig für spätestens sonntag Mittag an. So long and thanks for all the clicks!

…und das Übel erfasste die Welt

Deutschland ist bedroht! Aber der Verein »Menschen–Umwelt–Tiere« klärt auf über Homosexuelle, Pornographie, Abtreibung, Konsum und die Demokratie. Von Steffen Falk

»Grundlage meiner Erkenntnis sind Kinder. Ich versuche, die Welt mit Kinderaugen zu sehen.« So harmlos stellt sich Michael Brenner, der Gründer und Vorsitzende des im kurpfälzischen Neckar­gemünd ansässigen und eingetragenen Vereins »Menschen–Umwelt–Tiere« (Mut e.V.), im Gespräch mit der Jungle World dar. In seinen Augen ist die Welt ein verkommener Ort. Stütze in dieser Welt kurz vor der Apokalypse ist ihm der Glaube, oh­ne den er »vermutlich gar nichts tun« würde.

Dem Mut e.V. gehe es um den »Kampf gegen ›legale Kinderpornografie‹« und »für die Ungeborenen«, um »geistigen Umweltschutz« und um »Heimatschutz«, heißt es auf der Homepage des Vereins (mutev.de). In einigen hundert Texten legt der Verein dort sein Weltbild dar. Der Kampf gegen den Ungeist der Gegenwart wird sehr umfangreich geführt. Und zwar mit unzähligen Pressemeldungen, die im ganzen Land verbreitet und an alle nur erdenklichen Adressen verschickt werden.

Der verkommene moderne, gottlose Mensch könne sich nur befreien, wenn er sich wieder Gottes Gnade unterwerfe, ist die Auffassung des Vereins. Schwangerschaftsunterbrechungen etwa seien so eine Gottlosigkeit, der Verein nennt sie »Endlösung«. »Massenabtreibung« bewirke »Mas­seneinwanderung«. »Keine massenhafte Zuwanderung in die Sozialämter!« fordert der Verein. »Hab’ den Mut, die Wahrheit zu sagen, und fürch­te dich nicht, vor der Anklage als rechter Stammtischschwätzer ausgegrenzt zu werden! Ohne Heimatschutz geht Deutschland den Weg in die Katastrophe!« Ins Bild von einem Haifisch, der sein Maul aufreißt, ist geschrieben: »Man glaubt gar nicht, was alles in den Hals einer dekadenten und gottlosen Demokratie passt!« Und wer ist mit schuld daran? »Der Fluch der Achtundsech­ziger, die sich als besonders human darstellen, kann nicht mehr übersehen werden!«
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Boykott boykottiert III

Die Fortsetzung der Ums Ganze-Geschichte braucht noch etwas länger, als vorher gedacht. Dazwischen zu etwas fast völlig anderem: Ich hatte schon länger vor, einmal in der gebotenen Kürze auf den Leserbrief, den es in der Jungle World zu meinem Artikel zu den bisherigen Versuchen Studiengebühren zu boykottieren gab. Das ist zwar schon Wochen her, aber das macht leider nichts. Der besseren Lesbarkeit halber, verlinke ich nicht, sondern gebe den Brief vorneweg zur Gänze wieder und gehe dann auf ihn ein:

Jungle World 40/07: Boykott boykottiert

Repolitisierung der Unis ist gefordert

Zuzustimmen ist Falk zunächst bei seiner Feststellung, dass die Initiativen zum Boykott der Studiengebühren durch Überweisung auf ein Treuhandkonto an allen größeren Hochschulen gescheitert sind. Falsch bzw. äußerst einseitig ist unserer Erfahrung nach jedoch die Darstellung der damit zusammenhängenden Diskussion innerhalb studentischer Zusammenhänge. Dass zu Beginn der Boykottinitiativen tatsächlich eine euphorische Stimmung vorherrschte, möchten wir gar nicht bestreiten. Dies ist jedoch auch nicht anders zu erwarten, wenn überwiegend neue und jüngere Leute zu einem bestimmten Thema aktiv werden. In der politischen Arbeit der Boykottgruppen entwickelte sich jedoch mit der Zeit eine realistischere Einschätzung der Situation. Der Boykott war ein Versuch, in einem kritischen Sinne handlungsfähig zu bleiben/werden, auch nachdem die Studiengebühren von den jeweiligen Landesregierungen zum Faktum gemacht worden waren. Dass illusionäre Hoffnungen à la »Einmal-boykottieren-und-das-Problem-ist-vom-Tisch« nicht geschürt werden dürften, sondern der Boykott lediglich als ein Ansatz unter anderen zur Repolitisierung der Universitäten gesehen werden sollte, war eine mühsam in Diskussionen und der alltäglichen Erfahrung mit den Reaktionen der übrigen Studierendenschaft entwickelte Position. Dass der Boykott so gut wie allerortens scheiterte, liegt daran – wie Falk zutreffend feststellt –, dass die Mehrheit der Studierenden den Gebühren etwas Positives abgewinnen kann und bereitwillig zahlt. Dass dies aber auch damit zusammenhängt, dass sich die Studienbedingungen durch Zurückfahren der staatlichen Finanzierung in den letzten Jahren kontinuierlich verschlechtert haben, findet der Autor nicht erwähnenswert. Wer sich nach dem Scheitern der Boykottversuche ernüchtert zurückzieht, hat eine Chance verpasst, klüger zu werden. Wo Studierende jedoch nach neuen Formen des Protests und der Organisierung suchen, lohnt es sich für (studierende) Linke allemal am Ball zu bleiben.

basta

Der da basta sagt, hat die im Artikel versuchte Kritik verstanden als einen Angriff auf die Menschen, die den Boykott organisierten. In seiner Verteidigung nimmt er sie aber gegen Vorwürfe in Schutz, die gar nicht vorgetragen wurden.

1. Es ist keine gute Entgegnung auf eine Kritik, die angeprochenen Fehler von Personen mit dem Verweis auf ihre Konstitution (hier: sie waren jung und unerfahren) erklären und damit entschulden zu wollen. Das „neue und jüngere Leute zu einem bestimmten Thema aktiv werden“ war kein Gegenstand der Kritik und sollte es auch nicht sein. Von Interesse sollte lediglich sein, welche Gedanken sie sich vor und während des Prostests machen. Meinetwegen können sie euphorisch an die Sache rangehen, wovon ich mittlerweile allerdings abraten würde, aber auch das ist völlig egal; zumindest, wenn es um die Frage, ob sie sinnvoll protestieren oder ob sie dabei Fehler begehen, geht. Wenn letzteres der Fall ist, sollte ihnen das schleunigst mitgeteilt werden, ganz gleich, wie jung, alt oder neu sie zu dem Zeitpunkt sind.
Dass von dem studentischen Protest seit Jahren die selben Inhalte und Aktionsformen zu erwarten sind, sollte auch nicht dagegen sprechen, sie in Frage zu stellen.
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Ums Ganze II – Aufruf und Abschlußpodium

A bzw. : Eine Vorbemerkung
Was ich zu dem gelaufenen Kongress zu sagen habe, werde ich, vorbehaltlich kleiner Änderungen, in drei Teilen hier loswerden. Eine Diskussion an den jeweils passenden Stellen ist ausdrücklich erwünscht.

Zunächst werde ich mich im Folgenden zum gesamten Ablauf und der Intention des veranstaltenden Bündnisses äußern. Das bleibt zwangsläufig ein wenig oberflächlich und geht noch nicht im Einzelnen auf die tatsächlich besprochenen Positionen ein.

In einem zweiten Teil kommentiere ich die Diskussionen und Kontroversen die von den Podien ausgehend ausgetragen wurden. Dabei stütze ich mich zunächst auf mein Gedächtnis und die im Reader und auf der Kongressseite veröffentlichten abstracts. Wenn Stefan Meretz‘ Aufnahmen veröffentlicht wurden, besteht eine weitere Grundlage; praktisch vor allem für die nicht Anwesenden.

In einem dritten, vielleicht gesplitteten Teil, werde ich mich den Berichten und Kommentaren widmen, die jetzt schon auf diversen Blogs etc erschienen, natürlich in einer Auswahl.

I

    Wo will das Ums Ganze Bündnis raus?

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Ums Ganze I

Auch ich war also beim schon viel diskutierten Ums Ganze Kongreß, auch mit Erwartungen, aber dem festen Vorhaben, wenn überhaupt, erst im Nachhinein meinen Senf dazu zu geben.

An einer gehaltvollen Einschätzung/ Kritik etc des Wochenendes arbeite ich noch. Andere dagegen sind schneller und schießen ihre Schnellschüsse mal wieder in die blogsport-Welt hinaus.

Neben einer barbarisch moralischen Kritik, auf deren einzelne Fehler ich noch in Muße eingehen werde, bestehen die Reaktionen auf den Kongreß im Wesentlichen aus Ankündigungen der Aufnahmen. Das ist tatsächlich eine gute Sache, da kann sich dann jeder sein Urteil bilden. Also Ums Ganzler: Machet hin!

Am Rande seien aber according to the moralische Bewegungslinke noch zwei unfreiwillig humoristische Höhepunkte erwähnt:
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