Blogomat I

Es gibt ja tatsächlich so etwas wie Profitagebuchschreiber

Wie mache ich mein Weblog berühmt? frug ich mich gerade eben nach längere Abstinenz. Jede mir zugeworfenen Stock aufnehmen und weiterschmeissen? Meine Einkaufszettelsammlung einscannen? Hmhm … Ja, wie denn nun?! Abhilfe in Form des neun ZEIT-Wissen Magazins. Leider besitze ich als SchnorrerStudent nur eine Gratissneakpreviewausgabe und erfahre fürs Erste nicht, wie „Hirnforscher erklären, warum wir nicht mit Geld umgehen können“, kann diesbezüglich also nur erneut über den Witz schmunzeln, dass das Geld abgeschafft werden würde, weil die ersten schon keines mehr hätten… Da hilft nur reich und brühmt oder bekannt und wohlhabend zu werden. Wie das nun eben mittels Betreiben eines weblogs geht, dazu gibt Profibloggerin Katharina Borchert Tips:

1. Seien sie leidenschaftlich!

Sie werden fürs Bloggen weder bezahlt noch dazu gezwungen. Warum sollten Sie es sich antun, wenn Sie nicht mit Leidenschaft dabei sind? Der Leser will Herzblut sehen. Fügen Sie reichlich Humor und feine Ironie hinzu.

Das wäre ja beides noch schöner. Pro Beitrag, pro Zeile, pro youtube-link, pro Kommentar … Da käme bei manchen ganz schön was zusammen. Aber mal im Ernst: Was soll dieses Pathologen-Deutsch? „Herzblut“? Ööörkss … Humor? Kommt ja mal aufs Thema an, so vieles ist so lustig ja nicht und wenn ich meinen blog auch mal zur politischen Diskussion nutzen möchte, dann ist das mit der Ironie im web nicht gerade des Argumenterüberbringens förderlich. Wisst ihr, wie ich das meine? Wer lacht, wird erschossen!

2. Werden Sie persönlich!

Ihr Texte dürfen nicht nur, sie sollen sogar sogar Rückschlüsse auf Sie zulassen. Sie müssen dazu nicht Ihre Ehe öffentlich analysieren. Selbst gute Fachblogs haben immer eine persönliche Note.

Die Frau mags nicht nur persönlich, sondern auch abstrakt. Mit dem Tipp ist dem keinem geholfen: Schreib so wie du schreibst, nicht so wie andere … Ich war dann ja auch noch so „mutig“ mit dem Wortspiel jedem, der bis drei zählen meine Identität zu offenbaren. Find ich auch ok so, dann kann man nach dem webgeschreibsel real chatten

3. Gönnen Sie sich eine Meinung!

Möglichst eine kontroverse. Treten Sie Debatten los. Die Blogosphäre belohnt solche Menschen mit Links. Legen Sie sich aber ein dickes, schmutzfestes Fell zu! Bewahren Sie auch in der Hitze des Gefechtts ein Mindestmaß an Höflichkeit und Anstand.

Das ist mir zu dialektisch, um einen Genossen zu zitieren. Indeed, habe ich den Eindruck, dass vielen Kontroversen ein mastubatorischer Charakter anhaftet. Wenn das jetzt mal nicht unhöflich war, der Blogosphäre gegenüber. Apropos „Mindestmaß …“: Bekenne mich mal an der Stelle dazu, den Artikel über Ivo Bozics falsches interessiertes Denken nach dem ersten Reinhaun entschärft zu haben.

4. Unterhalten Sie sich mit Ihrem Leser!

Lassen Sie Kommentare und Trachbacks zu. Diskutieren Sie! Antworten Sie auf Mails

Hehe, na Logo! Kommt doch her, wenn Ihr was wollt!

5. Lieber gut als schnell!

Bei vielen Themen ist es egal, ob die Beiträge zehn Minuten früher oder später online sind. Viel wichtiger ist die Qualität. Sie dürfen gerne auch die Rechtschreibkontrolle benutzen.

Ohwatt! mie wien Oppa sacht! Gibt doch die „Bearbeiten“-Funktion. Dass schadenfrohe links zu Tippfehlern möglichst schnell raus müssen ist aber auch wahr…

6. Links, Links, Links!

Die Blogosphäre lebt voin der Vernetzung. Es gibt eine Menge spannender Menschen und Themen da draußen, velinken Sie die! Und verlinken Sie immer auch Ihre Quellen. Der angenehme Nebeneffekt: Blogger beobachten genau, wer auf Ihre verlinkt – und schenken denjenigen künftig mehr Aufmerksamkeit.

Ja, geht in Ordnung, mach ich. Aber man kanns auch übertreiben.

7. Halten Sie durch!

Sie werden vermutlich nicht innerhalb von sechs Wochen an die Spitze der Blog-Charts rauschen. Bleiben Sie trotzdem dabei, und nörgeln Sie nicht über ausbleibende Leser. Bloggen ist kein One-Night-Stand. Richten Sie sich auf eine längerfristige Beziehung mit dem Medium und Ihren Lesern ein, und geben Sie sich Zeit.

Da wäre sie wieder, die sexuelle Anspielung. Nächtlich läuft das Ding schon oft ab, aber naja …Persönlich bleibt mir noch anzumerken, dass ich schon ganz froh drum wäre alle sechs Tage und nicht alles sechs Wochen was zu schreiben.

8. Achten Sie auf Ihre Umgebung!

Für Anfänger ist es am einfachsten, sich ein Blog bei einem der großen Anbieter anzulegen. Aber Vorsicht: Viele Dienste ziehen, wenn auch ungewollt, bestimmte Zielgruppen an. Auf der Seite livejournal.com treiben sich zum Beispiel viele Teenager herum. Die intellektuellen Schreiber findet man eher auf blogger.de und die Literaten auf twoday.com.

Hmmmhm, vielleicht ist das hier auch nicht das richtige Umfeld für mich …

Kurzes, schmerzloses Fazit:
An den Hinweisen mag was dran sein, aber generell ist das ein komisches Anliegen, einen (nicht „ein“ Frau Borchert!) Blog zu betreiben, um berühmt zu werden. Der eine will Rezepte verbreiten, vllt auch mit seinen kochkünsten angeben, der andere zur Demo aufrufen, wieder einer seine Träume der Mitwelt bekannt machen, ja manche gestalten eher ein buntes online Tagebuch … Also immer ein besonderes Anliegen, das allem anderen doch vorausgeht.


3 Antworten auf “Blogomat I”


  1. 1 tee 26. April 2007 um 17:16 Uhr

    hehe, toll!
    wenn ich was vom „mastubatorischen charakter“ vieler blogereien erzähle, glaubt mir ja keiner. na dir vielleicht …

  2. 2 Peter Sennhauser 26. April 2007 um 19:59 Uhr

    Du siehst: Der Trick mit den Links funktioniert.
    Allerdings finde ich, für den Verweis zur medienlese.com hast Du das falsche Posting ausgewählt. Das hier wäre viel treffender gewesen.

  3. 3 steffentreffen 26. April 2007 um 21:37 Uhr

    @beide: interessant …:-? aber wie das dann in echt geht, wisst ihr hoffentlich noch? :d

    „mastubatorischer charakter“ gehört tatsächlich in anführungszeichen, theoretisch ist das ja sehr unsauber (um dem gag zuvorzukommen: ja, praktisch auch); in diskussionen, bei denen vorausgesetzt sein sollte, dass man was klären will, sollte man sich das auch nicht vorwerfen, wäre albern /:)

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